Afghanistan – im Auge der Energieversorgung
J. Müller (August 2007) |
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| Kurze
Geschichte Afghanistans1 Afghanistan wurde als Staat 1747 vom paschtunischen Osten aus gegründet (Grafik 1). Die Briten marschier-ten wegen ihres Wettbewerbs mit Russland um Zen-tralasien 1836 ein. Ein Zwischenergebnis steht nachzulesen 1858 bei Theodor Fontane: „ausgezogen mit 13.000 Mann, einer kam zurück aus Afghanistan.“ 1919 wurde Afghanistan unabhängig2 und war bis 1979, dem Beginn amerikanisch gesteuerter bewaffne-ter Provokationen Einmarsch Sowjetunion3, ein friedliches Land. Das bedeutet: der Bürgerkrieg zwischen den einzelnen, meist mit Ethnien identischen Kriegs-parteien wird seit 30 Jahren von außen geschürt. Die Ethnien in Afghanistan reichen bis in die Nachbar-länder hinein, so dass der Gedanke, Kriege von Afgha-nistan aus in die Nachbarstaaten hineinzutragen, durch-aus nahe liegen dürfte. Hinzu kommt, dass eine der beiden großen „Süßwas-serleitungen“ Zentralasiens und besonders Turkmenis-tans, der Fluss Amudarja, an der Nordgrenze Afghanis-tans entspringt. Heute befinden sich in Afghanistan ca. 23.000 Soldaten aus den USA (160.000 im Irak), 8.000 aus Kanada und Großbritannien, 12.000 aus der EU (ohne GB) und 2.000 aus anderen Ländern, dazu eine afghanische Armee von ca. 50.000 und Polizei von 60.000 Mann. Das Verhältnis dieser Kräfte zu Partisanen, mehrheitlich paschtunische Taliban, beträgt etwa 10:14. |
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Grafik 1: Die Ethnien Afghanistans (Montage aus: www.lib.utexas.edu: Afghanistan: Ethnoliguistic Groups from Map No. 504958, 1982, und geografischer Reliefkarte) |
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| Grafik 2: Zentralasien (aus: www.eia.doe.gov/emeu/cabs/caspian2.html) | |||
Strategische Bedeutung Afghanistans Fragt man nach der „strategischen Bedeutung“ Afghanistans, so stößt man auf vier Stichworte:
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Afghanistan + Geografie
Afghanistan ist ein Gebirgsland, das in der Mitte ausge-dehnter Öl- und Gaslagerstätten wie Zentralasien und Iran und damit auch über dem Netz herausführender Pipielines (Grafik 3) thront. Dies wird in den folgenden Abschnitten ausführlich erlätert. Hinzu kommt die zentrale Lage zwischen den potenziellen Großmächten Russland und China. Das Wasser für Zentralasien kommt aus den Flüssen Syrdarja (aus Kirgistan) und Amudarja (aus dem Norden Afghanistans). |
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| Grafik 3: Die Pipelines um das Kaspische Meer, man erkennt die inzwischen fertiggestellte Pipeline nach Ceyhan (Tuerkei), (aus: CIA, veröffentlicht in www.lib.utexas.edu) | |||
Zentralasien + Energieressourcen Das bekannteste Ölfeld liegt im Südwesten des Kaspi-schen Meeres um die Stadt Baku in Aserbeidschan. Insgesamt werden die zentralasiatischen Nachbarstaaten Afghanistans gelegentlich in Veröffentlichungen als die Boomregion der Zukunft gepriesen. Bei näherer Betrach-tung der Ölreserven des kaspischen Beckens (Grafik 4: [8]) stellt man fest, dass es nur 4% der weltweiten Ölreser-ven enthält. Gerüchten zu Folge immerhin genug, um von traditionellen Ölförderländern in Nahost neuerdings als Konkurrenz betrachtet zu werden. Die Gasreserven Turkmenistans, Usbekistans und Kasachstans rangieren zwar nur auf den Plätzen [16], [17] und [18] (Grafik 5). Aber Turkmenistan ist derzeit das drittgrößte Gasförderland der Welt. Mit anderen Worten: auf dieses Gas kann man sofort zugreifen, d.h. aus der Sicht der Energiefirmen: ohne große Investitionen und ohne Risiko sofort Gewinn machen. Unangenehm ist ihnen nur, dass das Pipelinenetz nach Russland ausgerich-tet ist. |
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| Grafik 4: Ölvorräte weltweit: (1) Saudi-Arabien 267, (3) Iran 132, (4) Irak 115, (8) Kasachsten 20, (20) Aserbeidschan 7 (aus: http://lugar.senate.gov/graphics/energy/graphs/Worldwide_Oil_Reserves.gif ) | |||
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| Grafik 5: Nachgewiesene Gasreserven: (16) Turkmenistan, (17) Usbekistan, (18) Kaschstan (aus: http://www.livinglandscapes.bc.ca/thomp-ok/env-changes/images/proved_gas_2002.jpg) | |||
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Zentralasien + Geografie Es ist noch anzumerken, dass die Grenzziehung im Kaspischen Meer selbst laut A. Rashid6 noch lange nicht geklärt ist. |
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Zentralasien + Ideologie In Zentralasien findet man verschiedene Richtungen des Islam. Besonders interessant ist das erst in den letzten Jahren erkennbare Auftreten des „Wahhabismus“: diesem hing ursprünglich nur das saudi-arabische Königshaus an, aber er fasste im Gefolge der verschiedenen Kriege in Afghanistan in Zentralasien und im paschtunischen West-pakistan Fuss5. Man kann davon ausgehen, dass überall dort, wo sich wahhabitische Moscheen und Koranschulen befinden, Agenten aus Saudi-Arabien zugegen sind. Dazu zählt z.B. „Al-Quaida“, ursprünglich saudi-arabische Söldner im Auftrag der USA, finanziert über den pakistanischen Geheimdienst. |
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China + Energieressourcen China bezieht etwa 1/3 des verbrauchten Erdöls aus dem Osten des eigenen Landes (Provinz Xinjiang). Die anderen 2/3 wurden bisher auf dem Seeweg aus dem Mittleren und Nahen Osten importiert. Daher ist es verständlich, wenn sich China zur Deckung seines zunehmenden Energiverbrauchs neben Afrika auch nach Zentralasien orientiert: der Bezug aus bzw. über Kasachstan (aus russischen Feldern) soll in der allernächsten Zukunft ausgebaut werden, vor allem durch die grün gestrichelte Pipeline in Grafik 3 (ab der Nordküste des Kaspischen Meeres). |
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China + Geografie Sowohl diese Pipeline als auch die „Seidenstraße“ aus Europa verlaufen durch Xinjiang. Der Anschluss Chinas nach Südosten ist der von Xinjiang aus mit einem Zweig durch den paschtunisch7 besiedelten Westen von Pakistan nach Kabul verlaufende „Karakorum-Highway“, der laut Wikipedia in nãchster Zukunft ausgebaut werden soll.Weiterhin soll er nach Süden hin direkt an der iranischen Grenze vorbei bis zum Indischen Ozean hin verlängert werden. |
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| Grafik 6: Der Karakorum-Highway (aus: http://en.wikipedia.org/wiki/Karakoram_Highway) | |||
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China + Ideologie Die gennannte Provinz Xinjiang ist moslemisch besiedelt, und zwar vom Turkvolk der Uiguren. Bereits seit langer Zeit werden in dieser Provinz systematisch Chinesen angesiedelt. |
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Iran + Energieressourcen Der Iran ist wie oben beschrieben Anliegerstaat des Kaspischen Meeres und damit Nachbar Russlands, ebenso Nachbar Afghnaistans und Pakistans sowie wichtiger Erdöllieferant Chinas, ferner das Land mit den grittgrößten Erdölreserven (Grafik 4) und das Land mit den zweitgrößten Erdgasvorkommen der Erde (Grafik 5). Er beherrscht die Straße von Hormuz, durch die ca. 2/3 aller Weltöltransporte, u a. aus dem Land mit den größten Ölvorräten der Welt (nämlich Saudi-Arabien), gehen. Ihn wollen die USA vermutlich von Afghanistan und Irak aus in die Zange nehmen, vielleicht mit einem dauernden Kleinkrieg beschäftigen. Die Frage ist, wie glücklich darüber die Europäer sind, die ihn ja via Nabucco-Pipeline zu einem der Hauptgaslieferanten machen wollen. |
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Europa + Energieressourcen Das in Europa verbrauchte Erdgas kam zunächst aus Holland und Norwegen. Leider werden Öl und Gas aus der Nordsee knapp (Grafik 10), Erst kürzlich hat russi-sches Gas deshalb einen Anteil von 1/3 erreicht. Heute kommt es über eine Pipeline durch Polen, die zusätz-liche Ostseepipeline ist geplant. Will man nach dem Ende der westeuropäischen Vorräte nicht von Russland als Monopolanbieter abhängig werden, müssen Alter-nativen her. Die eine Alternative geht in Richtung des bereits ge-nannten Baku und endet bei Afghanistan. Sowohl Baku als auch die auf dem Weg dort hin liegenden Ölfelder in Tschetschenien auf der Nordseite des Kaukasus waren 1942 das Ziel deutscher Abenteuer, nachdem das Öl aus Rumänien knapp wurde8. Diese Stoßrichtung scheint heute wieder aktuell zu sein. Diesmal jedoch in europäischem Rahmen, wenn auch unter deutscher Federführung: 1993 wurde ein Projekt mit der poeti-schen Bezeichnung „Neue Seidenstraße“, bürokrati-scher Name „Traceca“, was „Transport Corridor Euro-pe Caucasus Asia“ bedeutet, aus der Taufe gehoben. Es handelt sich vordergründig um ein Verkehrsinfrastruk-turprojekt, das von Kerneuropa aus über das eilig ein-gegliederte Südosteuropa (Rumänien, Bulgarien), an der Rückseite der Türkei durch den Kaukasus hin zum Kaspischen Meer und darüber hinaus direkt nördlich von Afghanistan durch Kirgistan und Tadschikistan bis an die chinesische Grenze verläuft. Inbegriffen sind laut Grafik 9 auch Eisenbahnstrecken in Kasachstan, die sich mit den wichtigsten internatio-nalen Anschlussstrecken der russischen Eisenbahnen decken (Grafik 10). In der EU schließen die Tracecastrecken an das europäische Trassennetz TEN an, sind aber nicht Bestandteil desselben. Andererseits ist Traceca Bestandteil des „Tacis“- Programms, das speziell für diejenigen Staaten konzipiert wurde, die sich Anfang/Mitte der 90er von der damaligen Sowjetunion gelöst haben (NIS). Die andere Alternative ist die Gasversorgung Europas über Südosteuropa und die Türkei aus dem Iran (Grafik 5: [2]) mit dem Hintergedanken der Weiterführung in den Mittleren Osten (Grafik 5: [3], [4], [5]) zu sichern: das Projekt trägt den Namen „Nabucco“9 (Grafik 8) und ist Teil des TEN-Netzes.
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| Grafik 7: (aus: http://www.treehugger.com/files/2006/01/norwegian_peak .php) | |||
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| Grafik 9: Das Traceca-Projekt (aus:www.traceca-org.org) | |||
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| Grafik 8: Verlauf der Nabucco-Pipeline | |||
Europa + Geografie Durch die Südosterweiterung um Rumänien und Bulgarien, welche zum 1. 1. 2007 realisiert wurde, wird eine Bastion mit dem Kosovo als Vorposten aufgebaut. Im Kosovo stehen rund 16.000 Mann Kfor plus schätzungsweise ebenso viele Zivilangestellte von EU- und EU-beauftragen Organisationen (10, 11) Haarscharf am Rand der Türkei, d.h. sowohl Ausbau der Straßenverbindung durch die nördliche Türkei als auch Ausbau der Seeverbindungen Bulgarien-Georgien (Grafik 9) versucht man sich in die ehemaligen Sowjetstaaten, die sogenannten „Neuen Unabhängigen Staaten“ (engl. Abk: NIS) einzuschleichen. Das Projekt umfasst nicht nur die genannten Verkehrswege, dazu gehören auch die gesamte Infrastruktur und Begleitmaßnahmen wie Häfen, Daten-autobahnen, Ausbildungsprogramme usw. Das wird von diesen Staaten im Übrigen nicht ungerne gesehen. Turkmenistan hat z.B. Probleme mit der Bezahlung seiner Gasrechnungen durch Russland und die Ukraine und würde sicher lieber heute als morgen an den finanzstarken Westen verkaufen. Nach Afghanistan fliegt Europa im Gefolge der USA in etwa gleicher Truppenstärke. Das bringt z.B. die Bundeswehr an den Rand der finanziellen Erschöpfung. Für weitere Einsätze stehen EU-Battlegroups bereit. |
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Russland + Geografie Russland hat noch aus Sowjetzeiten herrührende Bezie-hungen zu bestimmten Kreisen in den Neuen Unab-hängigen Staaten Zentralasiens und führt zum Teil auch noch die Bewachung von deren Grenzen durch. Andererseits haben diese Staaten genug von etlichen Jahrzehnten „Russenherrschaft“. Traditionell hat Russland auch gute Beziehungen zu Serbien, zu dem das Kosovo ja immer noch gehört. Gleichzeitig mit „Traceca“ begann Russland sein eigenes Autobahnnetz, z.T. auch parallel dazu auszubauen12. Mit der Eisenbahn ist Zentralasien über Transsibzweige an das russiche Netz angeschlossen13, in Kasachstan greifen Transsib und Traceca-Strecken ineinander.
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| Grafik 10: Netz und wichtige Anschlussstrecken der russischen Eisenbahn (aus: http://www.eng.rzd.ru/) | |||
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Russland + Energieressourcen Was die Gaswirtschaft angeht, bleibt die russische Gazprom Monopollieferant aus dem Land mit den größten Reserven. Der Iran, das Land mit den zweitgrößten Reserven, kann jedoch durch die Nabucco-Pipeline zum Konkurrenten Russlands werden. Interessant sind die wirtschaftlichen Verknüpfungen der Gazprom: Westeuropas größter Gasversorger, die e.on, hält einen Anteil von 6,4% an der Gazprom , es gibt mehrere gemeinsame Firmen. In der Zukunft soll Gazprom für weitere Beteiligung geöffnet werden, mindestens 50% sollen aber weiterhin der russische Staat halten. Umgekehrt streckt Gazprom seine Fühler nach Westen aus, z.B. durch „Gazprom Germania“, die ganz offensichtlich diejenigen deutschen Verteilerfirmen und Versorger aufkaufen soll, die e.on und RWE im Rahmen von PPP_Projekten übrig gelassen haben14. Am Kasseler Versorger „Wingas“ ist sie zusammen mit Wintershall (BASF) bereits beteiligt. |
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Europa + Russland Neben den oben erwähnten Beziehungen ist das Verhältnis zwischen Europa, d.h. der EU, und Russland, noch in weiterer Hinsicht interessant.
Nicht nur weil der Endpunkt der europäischen Gasinteressen Afghanistan ist, sondern auch weil der Iran sowohl Nachbarstaat Irans als auch als Anrainerstaat des Kaspischen Meeres Nachbar von Russland ist, hat jede Aktivität Europas in Afghanistan letzten Endes auch Einfluss auf das europäisch-russische Verhältnis. Aber auch Europa ist sich nicht immer einig: während das eine europäische Konsortium die Nabucco-Pipeline längs durch die Türkei bauen möchte, baut die italienische ENI zusammen mit einem russichen Konsortium die Blue Stream-Pipeline quer zu Nabucco15 (Grafik 8). Darf man hier eine Konkurrenz der westeuropäischen Energieversorger vermuten? Die Türkei wird in jedem Fall endgültig zum Knotenpunkt der Energieversorgung Europas, |
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USA + Geografie Wenn man bei den USA voraussetzt, dass sie immer noch den Ideen von Z. Brzeszinski folgen16, dann ist ihre Motivation, als Supermacht auf der eurasischen Landmasse Fuß zu fassen, wo ihnen bisher eine wirk-lich stabile Basis in Form eines echten Vasallenstaates fehlt. Da bietet sich Afghanistan im Zentrum, idealer-weise mit einem zuverlässigen Diktator von Amerikas Gnaden, natürlich an. Die derzeitige Militärpräsenz der USA ist
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| Grafik 11: US-Militärbasen (aus: www.nobases.org, dort nicht mehr auffindbar) | |||
USA + Energierresourcen Selbstverständlich sind auch US-Energiefirmen im kaspischen Raum vertreten. Allen voran Chevron in Kasachstan. Chevron ist neben ExxonMobile einer der beiden großen US-Ölkonzerne. Bei ihm saß die ausgewiesene Russland-spezialistin, vormalige Sicherheitsberaterin zweier Bushregierungen und heutige Aussenministerin der USA, C. Rice, einige Jahre im Vorstand. |
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Türkei + Geografie Die Türkei ist NATO-Staat. Sie stellte 1959 das erste Beitrittsgesuch zur EU und ist seit 1963 assoziiert. 1999 wurde sie offizieller Beitrittskandidat, Ende 2004 fiel die Entscheidung über die Aufnahme der Beitrittsverhand-lungen, die Ende 2005 begannen und sich gut und gerne noch 10 Jahre hinziehen können (18, 19). Die Türkei ist nicht nur das Lineal, an dem Traceca entlang gezogen ist. Sie ist auch Durchgangsland für wichtige Pipelines: die geplante Nabucco in Ost-West-Richtung, die Blue Stream-Fortsetzung (Grafik 12) in Nord-Süd-Richtung, die Ölpipeline aus Baku über Georgien nach Ceyhan am Mittelmeer (Grafik 3) . Nicht vergessen werden dürfen die ethnisch-historischen Beziehungen ziwschen der Türkei und verschiedenen Võlkern Zentralasiens und Chinas (Uiguren in Xinjiang).
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| Grafik 12: Die Blue Stream-Pipeline in der Türkei | |||
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Drogen Drogen in Afghanistan ignorieren kann höchstens die Bundeswehr. Sinnvollerweise müssen sie mit einbezogen werden – alleine schon deshalb, weil die afghanischen Bauern nach 30 Jahren Krieg im Land keine anderen Pflanzen wirtschaftlich sinnvoll anbauen können. Von außen betrachtet sind Drogen aus Afghanistan mit Sicherheit strategische Interessen. Wie A. v. Bülow20 schreibt und wie aus der Iran-Contra-Affäre bekannt ist, nutzen europäische Geheimdienste die enormen Gewinne aus dem Drogenhandel für verdeckte Waffengeschäfte. Dies ist innerhalb bestimmter Kreise nicht unbedingt geächtet: der bekannteste Kopf der Iran-Contra-Affäre, Oliver North, ist heute politischer Kommentator beim Murdoch-Sender „Fox“, und sein Vorgesetzter, John Poindexter, war unter dem gegenwärtigen US-Präsidenten Vorsitzender der Forschungsagentur des Pentagon (DARPA). Hevorgerufen werden die genannten enormen Gewinne21 durch eine Scheinverknappung, die sich aus der Kombination von gesetzlichem Dorgenverbot und durchgängiger Erfolgsarmut der Polizei seit Bestehen des Verbots ergibt. Da dieses System seit mehreren Jahrzehnten, vermutlich mit Wissen aller sowohl am Drogenhandel als auch am Afghanistankrieg beteiligten Regierungen, funktioniert, und sogar Drogenbarone in der Karseiregierung sitzen sollen, ist die Angabe von Drogenbekämpfung als strategischem Ziel irgendeines Afghanistankrieges wohl eher als schlechter Scherz zu betrachten. Dies wird belegt durch UN-Angaben, nach denen nach dem Ende der Talibanherrschaft (d.h. US Invasion Ende 2001) der Mohnanbau binnen kurzer Zeit um das Dreifach zunahm. |
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Und die Schlussfolgerung? Aus dieser Analyse ist jedenfalls eines klar geworden: es geht (wenn überhaupt) nur am Rande darum „Afghanen zu helfen“. Es geht darum, uns zu unserer eigenen Energieversorgung zu verhelfen (und unseren Geheimdiensten zu Drogen). Und zwar durch ein sehr wackliges EU-Engagement, das sich zwischen etablierten Großmächten in einem ethnischen Pulverfass breit machen möchte. Soll man das eine Heldentat oder eine Verzweiflungstat nennen? Wenn man einen Blick auf das Ziel wirft, am ehesten wohl reine Dummheit! Die Machtstellung der USA wird die EU nicht ankratzen. Diejenige Russlands ist auf Dauer besiegelt, so lange Westeuropa Erdgas will. China braucht immer mehr Energie. Europa kann gar nicht so wettbewerbsfähig werden, als dass es sich mit China messen könnte. Die hier skizzierte Auseinandersetzung, von der Krieg in Afghanistan ein Teil ist, liefert auf gefährliche Weise allerhöchstens beschränkte Mengen an Brennstoffen, die noch dazu im Interesse des Wirtschaftswachstums möglichst schnell in CO2 umgewandelt werden sollen. Und zwar nachdem das Klima bereits umgekippt ist. Oder mit anderen Worten: wir lassen junge Soldaten und unschuldige Zivilisten sterben, um uns allen selbst Schaden zuzufügen. Ist das intelligent? Nein! Intelligente Politik ist Klimaschutz und Friedenspolitik in Einem! Sonne, Wind und Einsparen statt Krieg, Öl, und Gas! |
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1Ausführlicher als hier unter den gleichen Aspekten: M. Baraki:Kampffeld Naher und Mittlerer Osten, diste“verlag 2004 3The CIA's Intervention in Afghanistan, Interview with Zbigniew Brzezinski in: Le Nouvel Observateur, Paris, 15-21 January 1998, loc. cit. http://www.globalresearch.ca/articles/BRZ110A.html 4Wikipedia-Seite zur „Operation Enduring Freedom - Afghanistan“ (OEF-A) 5A.Rashid: Heiliger Krieg am Hindukusch- Der Kampf um Macht und Glauben in Zentralasien: Droemer 2002, S. 69 6A. Rashid: Heiliger Krieg am Hindukusch: DerKampf um Macht und Glauben inZentralasien, Droemer, 2002 7 Die Taliban sind im Wesentlichen Paschtunen. 9www.nabucco-pipeline.com,en.wikipedia.org/wiki/Nabucco_pipeline 10 Jürgen Elsässer: Die schmutzige Kolonie der EU, in: Freitag 35 v. 2.9.2005 12http://segodnya.spb.rus.net/3-4-00/eng-20_e.html, http://www.rosavtodor.ru (leider keine Karten) 14http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/;art271,2102221 vom 17. 5. 2006 16z. B. dargelegt in Zbigniew Brzezinski: A geostrategy for Eurasia, gehalten vor dem Council on Foreign Relations 1997 (dokumentiert in http://www.afghanwww.comw.org/pda/fulltext/9709brzezinski.html) 18„http://www.weltpolitik.net/Sachgebiete/EuropäischeUnion/Vertiefung/Erweiterung/Dossier/Beitritt_der_Türkei/ 20Andreas von Bülow: Im Namen des Staates, Piper, 2000 21Luat A.McCoy im Artikel „Tafic de l'heroine et politique internationale“ in: A.Labrousse, A. Wallon: La Planete des Drogues, Paris 1993, lieferte Afghanistan 1992 ca 4000 to Opium. Auf diser Grundlage und wenn man einen Großhandelspreis von 20 EUR/g zu Grunde legt, .kommt man auf einen Umsatz von 80 Mrd EUR p.a. |
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